Wahre Kunst – die Freude des Menschen an der Arbeit

Written by Tamme on Februar 18, 2021 in Demut and Kunst and Leben and Spiritualität with no comments.

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Nein, ich will hier jetzt nicht davon schreiben, dass jeder Freude an seinem ’9to5’- haben soll und dass wahre Kunst darin besteht, das Leben zu ertragen. Wobei der dahinter liegende stoische Gedanke durchaus auch einen blogpost wert wäre. Aber: nicht heute, nicht hier.

Mit meine ich hier etwas Anderes. Wir Freimaurer sprechen von einer ‘Arbeit an uns selbst’. Und wir sprechen von einer ‘Arbeit’, wenn wir zu rituellen Treffen zusammenkommen. Wenn wir von einer ‘Arbeit an unserem rauen Stein’ sprechen, dann meinen wir damit die Arbeit an uns als Mensch, als Persönlichkeit. Im Grunde ist ja nichts anderes als das älteste Persönlichkeits-Training der . Nur, dass wir unsere eigene, unperfekte Persönlichkeit als ‘rauen (unbehauenen) Stein bezeichnen und davon sprechen, dass wir an diesem Stein arbeiten wollen, bis er dem perfekten Kubus so nahe wie möglich gekommen ist. Arbeit aus freimaurerischer Sicht ist somit nichts anderes als Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Ich möchte sogar sagen: Menschwerdung, denn für viele Freimaurer gehört auch eine spirituelle Ebene zu unserem Wesen als Mensch und bedarf deshalb genauso einer Entwicklung wie alle anderen Ebenen der Persönlichkeit.

Nicht umsonst sprechen wir Freimaurer, wenn wir von der Freimaurerei sprechen, von der ‘königlichen Kunst’. Der Kunst, an sich als Mensch zu arbeiten.

Diese Sicht auf den Begriff der Arbeit kann man über den freimaurerischen Kontext hinaus ausdehnen.

William Morris hat einmal gesagt:

“Das, was ich unter wahrer Kunst verstehe, ist der Ausdruck der Freude des Menschen an der Arbeit… Eine höchst gütige Gabe ist dies von der Natur, da alle Menschen, ja, wie es scheint, auch alle Dinge, arbeiten müssen.”

Wir als Menschen haben einen Drang, Dinge zu erschaffen. Kreativ zu sein. Der Welt um uns herum durch unsere schöpferische Tätigkeit, durch unsere Arbeit einen Sinn zu geben. Arbeit ist -in diesem Sinn- der kreative Prozess, der schöpferische Prozess. Teil unserer menschlichen Natur. Und man kann diese Arbeit bzw. die Ergebnisse dieser Arbeit durchaus als Kunst bezeichnen – welche Form sie auch immer haben mögen.

Alles von uns Geschaffene, besser: jede von uns geschaffene gute Sache kann als Kunstwerk verstanden werden. Ein Kunstwerk, welches seinem eine unaussprechliche Freude bereitet welche wahrhaft göttlichen Ursprunges ist. Ja, ich glaube, dass unsere schöpferische Kraft göttlichen Ursprunges ist. , Du kannst hier auch statt des Gottes-Begriffes einen anderen Begriff für ein höheres Sein einsetzen und etwa von ‚dem ‘ sprechen. Das macht keinen Unterschied. Unsere schöpferische Kraft, die über reine weit hinausgeht, ist uns in die Wiege gelegt worden.

Wenn wir achtsam damit umgehen, sie bewusst wahrnehmen und sie achtsam, also bewusst einsetzen, um etwas Gutes zu , werden wir zu Schöpfern. Quasi zu Gottes Mit-Schöpfern einer perfekten Welt, welche immer unser wichtigstes Ziel sein sollte. Ähnlich dem perfekten Kubus als Sinnbild des -nie zu erreichenden-perfekten Menschen ist es diese perfekte Welt, an der wir alle, Du und ich, zu arbeiten haben. Indem wir schöpferisch, kreativ, arbeiten. Und diese Arbeit, an uns und der Welt, dieses Einsetzen der uns mitgegebenen (göttlichen) Talente, das ist die wahre Kunst im Leben.

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