Trump – keine Politik, nur Strategie

Written by Tamme on Februar 15, 2021 in Gedanken and Politik and Realität with no comments.

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Uns Freimaurern ist es sehr wichtig, sich während unserer Arbeiten nicht über und Religion zu unterhalten. Weil es zu viel Streitpotenzial in sich birgt und diese Themen hoch-individuell sind. So zumindest die heutige Interpretation dieser Regel. -Forscher sagen, diese Regel könnte auch in einer aufgestellt worden sein, in der es schlicht gefährlich war, sich über Politik und Religion zu unterhalten. Insbesondere, wenn man eine eigene Meinung hat. Dann legte man sich unmittelbar mit der führenden Elite oder der Kirche an. Und das war, insbesondere in den Gründungszeiten der , gefährlich. Oft beherzige ich diese Regel und mache in Diskussionen einen Bogen um Politik und Religion. Aber eben nicht immer (was an dem einen oder anderen hier zu sehen ist 😉

Heute aber soll es nicht um Politik gehen – sondern um eine strategisch-taktische Betrachtung.

Gestern wurde die Anklage gegen Donald abgewiesen. Zu viele Republikaner stimmten dagegen. Manche Journalisten vermuten, obwohl sie gerne anders gestimmt hätten, konnten sie nicht anders. Weil trump zu viele Wähler hinter sich hatte und weil trump im Vorfeld des Impeachments damit gedroht hatte, eine eigene Partei zu gründen. Bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, das brachte er auch schon früher ins Gespräch. Ist aber nicht so wichtig.

Wir haben also einen Ex-Präsidenten, der bei der in den USA üblichen Stichwahl viele Millionen Wählerstimmen hinter sich gebracht hat. Und der zuvor seiner Partei, den Republikanern, zu Regierungsmacht und Präsidentenmacht verholfen hat. Der aber, wenn man sich viele seiner Entscheidungen anschaut, nicht parteipolitischen Interessen gefolgt ist, sondern anderen – seinen eigenen. D.h. als er noch an der Macht war, hat er nicht das Parteiprogramm der Republikaner umgesetzt, sondern die Republikaner haben ihr Programm, wenigstens teilweise, dem Programm des Präsidenten angepasst. Und sie haben ihm immer wieder den Rücken gestärkt, d.h. ihm bspw. die im Senat notwendigen Stimmen gegeben. Weil er ihr Präsident war. Oder anders ausgedrückt: weil man Hand, die einen füttert, nicht beisst.

Nun, nach seiner Präsidentschaft (und dem Sturm auf das Kapitol) erheben einige Republikaner ihre Stimme gegen ihren Ex-Präsidenten. indem sie den Sturm auf das Kapitol verurteilen. Oder Trump beschuldigen, die Meute aufgehetzt zu haben.

Unmittelbar nachdem die Demokraten das Impeachment angekündigt haben, macht Trump die Ankündigung, eine eigene Partei gründen zu wollen. Weg zu wollen von den Republikanern, Seine Wähler, wenigstens teilweise, mitzunehmen. Weg von den Republikanern. Und was machen die Republikaner im Impeachment-Verfahren? Obwohl einige von ihnen sich vorher noch gegen Trump stellten? Sie stimmen für Trump bzw. gegen die Anklage. Für mich wirkt es so, als wäre die Angst vor der Trump-Partei, davor, viele Wähler zu verlieren zu groß gewesen. Also hätte man, wiedermal, getan, was Trump von ‚seiner‘ Partei verlangte. Der Macht wegen.

Trump‘s , die Republikaner durch Drohungen einzuschüchtern, hat an dieser Stelle funktioniert. Hier greifen die klassischen, parteipolitischen Mechanismen: Ohne Macht ist eine Partei nichts, weil sie ihre Programm nicht umsetzen kann. Und ohne Wähler wird es nichts mit der Macht. Also tut man alles, um die Wählerstimmen zu behalten.

Doch wird diese Taktik der Republikaner aufgehen? Beziehungswiese: haben die Republikaner, die gegen das impeachment gestimmt haben, ihre Taktik tatsächlich zu Ende gedacht? Was wird zum Beispiel passieren, wenn sich Trump in 4 Jahren wieder zur Wahl stellen will? die Republikaner, nach den Erfahrungen der letzten 4 Jahren und bspw. dem Sturm aufs Kapitol, Trump wieder zu ihrem Präsidentschaft-Kandidaten machen ? Vielleicht nicht. Vielleicht ist es Kalkül der Republikaner, dass Trump in den Vorwahlen nicht zum Kandidaten gewählt wird und sich das Thema Trump dann von alleine erledigt. Vielleicht.

Jedoch berücksichtigt diese Taktik nicht Trump und seine Sicht auf die Dinge. Zum Einen wird er vermutlich die nächsten 4 Jahre nutzen, um die Republikaner auf seine nächste Kandidatur vorzubereiten. Und mit Sicherheit wird er dabei -öffentlich oder nicht öffentlich- die Drohung der Parteigründung immer wieder ins Spiel bringen.

Ob sie es wollen oder nicht: die Republikaner haben sich mit diesem impeachment-Verfahren nicht aus der Abhängigkeit von Trump heraus bewegt. Sondern eher noch weiter hinein bewegt. Schlicht und einfach, weil sie nicht anders konnten. Eine Partei muss an der Macht sein, muss Wählerstimmen haben, will sie etwas bewegen und ändern. Aus dieser Notwendigkeit heraus konnten die Republikaner nicht anders, als für Trump, für seine Wähler zu stimmen. Und vermutlich weiß Trump dies auch und weiß, dass die Republikaner viel zu viel riskiert hätten, hätten sie sich von ihm distanziert. Dass sie, ohne es zu wollen, von ihm abhängig sind. Auch, wenn es bei Trump nur um sich und seine Interessen geht, hat über in der Wirtschaft genügen über Strategie und Taktik gelernt, um die Republikaner, seine Partei, weiterhin an sich zu binden und für sich nutzen zu können.

Dieses Impeachment-Verfahren war der vorzeitige Höhepunkt von Trumps Strategie zur Machterhaltung. Man muss ihm lassen: Strategie hat er in der Wirtschaft gelernt.

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