Mein Warum

Written by Tamme on Februar 24, 2021 in Demut and Freimaurerei and Gedanken and Kuenstlerdasein and Persönlichkeit and Philosophie and Spiritualität with no comments.

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Heute will ich es noch etwas persönlicher, noch etwas intimer werden lassen als sonst hier im . Heute will ich Dir von etwas mir sehr Wichtigem schreiben: dem ‚Warum‘. Dem ‚Warum‘ meines Handelns. Und ich bin ehrlich: ich tue mich gerade gar nicht leicht mit diesem blog. So persönlich und nahe ist das Thema. Egal, einfach anfangen, dann sehen wir schon, wo wir hinkommen…

Generell bin ich der festen Überzeugung, dass mich die anderer Menschen nichts angeht. Das ist so ein wichtiges Freimaurer-Ding: Der raue Stein (die ) des Bruders ist sein Stein, an dem hat nur er zu arbeiten. Ich habe meinen eigenen rauen Stein und meine Aufgabe ist es, an diesem Stein zu arbeiten und ihn immer weiter zu formen. Ob andere Menschen an sich als Mensch arbeiten oder nicht, ist also komplett ihre Sache.

Wenn mich jedoch jemand fragen würde, was ich für das Wichtigste halten würde, wenn man an sich als Mensch arbeiten will, dann würde ich sagen: suche nach dem ‚Warum‘. Deinem echten ‚Warum‘.

Mit dem ‚echten Warum‘ meine ich Deine ganz persönliche Triebfeder hinter Deinem Handeln. Nein, nicht die (materielle) , ein Ziel zu erreichen. Sich ein neues Auto leisten können, viel Reisen können, ein großes Haus meine ich nicht, wenn ich vom ‚echten Warum‘ schreibe. Sondern Deine ganz persönliche Triebfeder für Dein handeln. Warum macht Dir Dein Job als Buchhalterin Spaß? Warum willst Du im Marketing arbeiten? Warum willst Du Feuerwehrmann werden ? 😉 Wenn man sich diese Frage nach dem Warum stellt und das Materielle herausfiltert (das Gehalt etc.), dann kommt man auf das ‚echte Warum‘.

Als ich mich das erste mal gefragt habe, warum ich denn Künstler bin bzw.. warum ich denn Künstler sein will, kam ich darauf, dass ich die ein bisschen besser machen will. Aha, wieder so ein Welt-Verbesserungs-Ding. Mit dieser Antwort, diesem ‚Warum‘ habe ich mich dann einige zufrieden gegeben. Bis ich festgestellt habe, dass dies nicht mein ‚echtes Warum‘ sein kann. ‚Die Welt verbessern‘ ist einfach viel zu plakativ, viel zu oberflächlich, um der tatsächliche Grund für mein Handeln zu sein. Also habe ich irgendwann weiter gefragt: Warum? Warum will ich die Welt verbessern? Gehen mich doch die anderen Menschen eigentlich nichts an… Ist das vielleicht nur so eine -Sache? Und wenn ich die Welt verbessern will: was heisst das eigentlich? Wann ist die Welt eine Bessere? Was ist eine bessere Welt für mich?

Mir hat dieses Weiterfragen nach dem ‚Warum‘ die Augen geöffnet und mir klargemacht, dass ich gar nicht die Welt als Ganzes verbessern will.

Sondern dass ich deshalb Künstler geworden bin, weil ich mit meinen Bildern andere Menschen inspirieren will. Zu etwas ganz Bestimmten. Ich glaube, dass manches Problem auf der Welt, manches der ‚Traumata der Gesellschaft‘ gelöst wäre, wenn sich mehr Menschen ihre eigene Spiritualität erlauben würden. Wenn sich mehr Menschen erlauben würden, sich einzugestehen, dass es so etwas wie ein Höheres gibt. Sich erlauben würden, ihrem Ursprung und ihrem Sinn nachzugehen. Sich erlauben würden, ihre Spiritualität, ihre ganz eigene Spiritualität zu suchen und zu entwickeln. Dann, davon bin ich fest überzeugt, dann würde diese Welt von ganz alleine eine Bessere werden. Und genau deshalb möchte ich andere Menschen inspirieren, ihre eigene Spiritualität zu suchen und zu entwickeln. Zu Wachsen.

Natürlich habe ich, als ich dies für mich erkannt habe, noch ein ganz wichtiges ‚warum‘ angehängt: warum möchte ich eigentlich die Probleme auf der Welt, die Traumata unserer Gesellschaft lösen? Warum interessieren mich die Probleme andere Menschen, speziell die Probleme der nächsten Generationen? Ist mein obiges ‚warum‘ überhaupt valide oder ist das so eine Sache des Egos?

Auch auf diese Frage nach dem Warum habe ich für mich eine Antwort gefunden, die ich Dir nicht vorenthalten möchte. Allerdings möchte ich sie mit einer Anleihe bei der Freimaurerei erklären.

Freimaurerei, zumindest die von der United Grand Lodge of England (UGLE) anerkannte, beginnt in der sogenannten blauen loge, der Johannisloge. Diese Johannisloge ist in drei Grade unterteilt. Im wesentlichen geht es in dieser blauen Loge um Moral und Ethik. Um den irdischen Teil unseres Mensch-Seins. Viele Brüder stellen für sich fest, dass ihnen dieser Teil, dieser Teil der Arbeit an sich als Mensch ausreicht. Viele Brüder jedoch stellen für sich fest, dass neben diesem irdischen Teil noch etwas fehlt: der immaterielle Teil. Der Teil, den man manchmal als Seele, manchmal als göttlichen Funken in uns beschreibt. Und um diesen Teil, die Entwicklung dieses Teils geht es in vielen sogenannten Hochgrad-Systemen der Freimaurerei. Dort wird den irdischen Aspekten der Johannisloge (Moral und Ethik) noch ein weiterer, der spirituell-/mystische Aspekt unseres Ursprunges und Sinnes hinzugefügt. Die Fragestellung, was von uns bleibt, wenn irgendwann Körper und Gehirn (Gedanken, ) zerfallen, ist eine wichtige Frage in den Hochgraden. Sie läuft, im Grunde, auf die Frage hinaus: wer oder was sind wir wirklich?

Wenn man an ein ‚Leben nach dem Tod‘ glaubt, also daran glaubt, dass es für uns nach dem Tod weitergeht, muss man sich die folgende Frage stellen:

Wenn ich gestorben bin und mein Körper (inklusive Gehirn, Gedanken und Gefühlen) zerfällt, was bleibt dann? Was geht dann weiter? Was existiert über den Tod hinaus? Das, dieses Etwas, das da über den Tod hinaus existiert, das muss dann doch wohl ich sein, oder? Also . Auch, wenn wir im Tod eine Wandlung machen, sind dennoch WIR es, die da über den Tod hinaus weitergehen. Es ist nicht jemand anderes, der da unseren Weg weitergeht. Sondern wir sind es. Somit sind wir, nein: können wir nicht nur unser Körper und Geist sein. Sondern wir sind, unter der Prämisse, dass es nach dem Tod weitergeht, tatsächlich noch etwas anderes. Etwas, was hinter Körper, Verstand und Gefühlen liegt. Unser wahres Ich.

Und auch dieser Teil, unser wahres Ich, bedarf der Entwicklung – möchte man an sich als Mensch arbeiten und wachsen. Darum geht es in den meisten Hochgradsystemen der Freimaurerei – wenngleich sich dies mancher Bruder nicht eingestehen mag. Auch Freimaurer sind an dieser Stelle auch nur Menschen. und auch viele Freimaurer gestehen sich selbst im -Aufklärerischen Zeitalter keine eigene Spiritualität zu bzw.. machen es sich leicht, indem sie die Philosophie zu einer Art Ersatzreligion erklären. Womit ich aber keinen dieser Brüder verteilen möchte, auch wenn ich es hier reichlich hart ausdrücke. ich liebe und schätze jeden dieser Brüder – egal, was er denkt oder glaubt.

Mein ‚Warum‘, mein ‚echtes Warum‘ handelt von dieser Sache, um die es in den hochgraden geht: von meinem wahren Ich. Ich glaube, ohne dass ich Dir jetzt alles schreibe, dass wir, Du und ich, miteinander verbunden sind. Dass der göttliche Funke, der jedem von uns innewohnt, diese Verbindung zwischen uns darstellt. Und in dieser spirituellen Verbundenheit mit Dir und allen anderen Menschen liegt der Grund verborgen, warum ich andere Menschen dazu inspirieren möchte, ihre Spiritualität zu entdecken und zu entwickeln. Und auch, warum ich glaube, dass die Welt dadurch eine bessere würde.

Soweit also zum Seelen-Striptease und zu meinem ‚Warum‘, meinem ‚echten Warum‘ 😉

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