Kunst – eine Sache des Ego?

Written by Tamme on Februar 7, 2021 in Demut and Gedanken and Kuenstlerdasein and Kunst with no comments.

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Gestern aufgeschoben – nein, sondern „extra für heute aufgehoben“ 😉

Hier schneit es schon seit Stunden und es ist gerade ein wunderbar gemütlicher Sonntag.

Normalerweise schreibe ich meine Morgenseiten und damit meine blogs ja als allererstes früh am morgen. Heute, am Sonntag, ist der Takt ein wenig ein anderer.

Nein, nicht weil er aus Prinzip am Wochenende ein anderer ist. Ein „es ist Wochenende, also kein frühes aufstehen, nichts tun und faulenzen“ ist kein Muß. , es entsteht phasenweise. So heute morgen. Aber eben nicht aus Prinzip. Jetzt also ist es schon mittag und es schneit. Gemütlich. Ein guter Moment für ein paar aufgeschobene .

Immer wieder kommen mir Gedanken, ich eigentlich mache. Und warum ich die Bilder, die dabei entstehen hinterher in einer ausstelle und verkaufe. Als ich über ein neues , über den Neustart hier nachdachte, kamen mir analoge Gedanken: warum meine Gedanken, meine Emotionen, meine Innenwelt preisgeben und zur Schau stellen? Um Besucher und likes zu gewinnen? Also nur, um ein niederes Bedürfnis meines egos zu befriedigen? Um gemocht zu ? Um dazu zu gehören? Um berühmt (und vielleicht sogar reich) zu werden?

Früher habe ich diese Gedanken immer direkt vom Tisch gewischt. Habe mir eingeredet, ich würde meine Bilder anderen zeigen, weil es mir ein inneres Bedürfnis ist. Mittlerweile tue derartige Aussagen als leeres Kunst-Geschwirbel ab. Ein „ich mache Kunst, weil es mir ein inneres Bedürfnis ist“ kaufe ich ja noch jedem ab. Aber „Kunst machen“ heisst nicht „Kunst anderen zeigen“ oder gar „Kunst anderen aufdrängen“ (indem man alle Foren und damit ‚versorgt‘). Und „Kunst machen“ heisst auch nicht „“. Und genau das, nämlich „Kunst anderen zeigen“ und „Kunst verkaufen“ ist es, was viele Künstler meinen, wenn sie vom „Kunst machen“ sprechen.

Und da frage ich mich, ob diejenige Künstlerin, die sagt, sie „mache Kunst, weil es ihr ein inneres Bedürfnis ist“ und damit in Wirklichkeit meint, sie „zeige und verkaufe Kunst, weil es ihr ein inneres Bedürfnis ist“ sich das wirklich so überlegt hat.

Was heisst es , wenn jemand aus einem inneren Bedürfnis heraus seine Kunst anderen zeigt (auch, um sie zu verkaufen)? Geht es hier nicht womöglich nur um so eine reine Ego-Sache? Darum, die Kunst zu zeigen, um dazu zu gehören? Um Likes zu bekommen (und sei es in Form von Geld)? Darum, Einfluß auf andere Menschen zu haben, sie und Ihr und Ihre Gefühle durch Kunst zu beeinflussen? Und sich dieser Sache dann auch bewusst zu sein? Getreu dem Motto „MEINE Kunst gefällt den Anderen,sie beeinflusst und verändert sie und ihr Denken und ihre Gefühle!“.

Das ist meines Erachtens eine reine Ego-Sache.

Und die ist nicht weiter schlimm.

Schade finde ich nur, wenn jemand diese Egozentrik heroisch darstellt, indem sie sie hinter einem „inneren Drang der Künstlerin“ versteckt.

Dies beschäftigt mich immer wieder,was meine eigene Bilder betrifft: Warum mache ich nicht nur die Bilder, sondern warum hängen sie auch in einer Galerie, warum poste ich immer mehr in den sozialen medien und warum fange ich auch wieder an zu bloggen?

Geht es mir vielleicht auch nur um so etwas wie eine Egozentrik? Da schwang immer ein wenig eine Befürchtung mit. Weiß ich doch bzw. bin ich doch fest davon überzeugt, eben dieses Ego überwinden zu müssen, wenn ich der werden will, der ich bin.

Bei all diesen vielen Gedanken und vor allem all diesen vielen Selbstzweifeln bin ich immer wieder auf eine Sache gekommen: Joseph hat vermutlich niemand wirklich verstanden. Und sein Selbstverständnis eines Künstlers als Schamanen, der der Welt ihre Traumata vor Augen führt und der Welt, den Menschen, der Gesellschaft die Dinge zeigt, die ihr sonst verborgen bleiben, ist sicher nicht einfach zu begreifen.

Dennoch ist dieses sein Selbstverständnis eines Schamanen der zwischen den Welten, dem Diesseits und dem Jenseits vermittelt das, was mir bei meinen Überlegungen immer wieder einfiel. Nein, ich zeige meine Kunst tatsächlich weniger, weil mein Ego dies von mir verlangt. Sondern eher weil es ein Teil meiner Identität ist. Ein Teil vergleichbar mit der des Schamanen aus Josephs Beuys‘ Selbstverständnis.

Der Welt ihre Traumata vor Augen führen. Uns als Gesellschaft unsere Konflikte zeigen und durch dieses abgewandelte „erkenne Dich selbst“ eine Heilung ermöglichen. DAS ist mein Grund, meine Kunst zu zeigen, zu verkaufen und dieses blog zu schreiben. Und ja: ‚Uns‘ als Gesellschaft, denn ich als Künstler bin stets Teil dieser Gesellschaft. So wie der Schamane Teil der Welt ist, der er ihre Traumata vor Augen führt und der er das Jenseits vermittelt. Der Schamane heilt immer auch ein Stück weit sich selbst, wenn er die Welt heilt. So wie jeder Künstler immer auch ein Stück weit sich selbst heilt, wenn Heilung Teil seines Selbstverständnisses als Künstler -oder eben auch Schamane- ist.

Mit Sicherheit nicht das einzige blog, in dem ich mich -wiederholend- mit diesem teil meiner Gedanken und Emotionen, mit diesem Teil meiner Identität auseinander setzen werde.

Und vermutlich eines vieler blogs, die nicht jedem ohne weiteres verständlich sein werden 😉

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