Geht Denken kurz ?

Written by Tamme on Februar 9, 2021 in Gedanken and Innensicht and Kuenstlerdasein with no comments.

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Ich tue es schon wieder.

Schon wieder meine blogs viel länger, als ich dies will. So am Ende, da merke ich, wie viele Worte ich gebraucht habe, um meine Gedanke zu formulieren. Ja, habe jetzt bewusst nicht geschrieben „klar zu formulieren“. Das ist subjektiv und das muss jeder für sich beurteilen. Aber bis ich hier einen zu Ende gedacht habe, brauche ich doch wieder erstaunlich viele Worte. Und ja: es ginge auch anders. Ich könnte an den Texten feilen, könnte alles unnötige herausnehmen, die Sätze schleifen und die Aussagen schärfen. Und am Ende würde ein Hochglanz-Artikel rauskommen. Also so einer, der sich runterliest wie Wassereis. Und wenn ich dann noch ein paar ganz tolle dazu mache… hätte ich, schwups, ein Hochglanz-. Und würde Stunden, wenn nicht Tage damit zubringen, an den Artikeln zu schreiben. Und würde dadurch vermutlich viel weniger Gedanken (be)schreiben, als ich dies im Moment, mit viel mehr Worten tue. Und irgendwann würde ich das blog vielleicht wieder ganz einstellen, weil es sich doch so entwickelt hat, wie ich es nicht wollte. Nein, ist vermutlich ganz , wenn ich hier meine Gedanken so runterschreibe, wie sie mir kommen. Wenn ich hier quasi schriftlich denke. Ohne Bewertung, ohne Schnickschnack. Authentisch.

Und ja, dazu gehört leider eine nur für mich persönlich zutreffende Feststellung (oder soll ich schreiben: ?):

braucht.

Sich seiner Innenwelt, seiner und Gedanken bewusst werden bedeutet für mich, mich damit zu beschäftigen. Ein Gedanke ist anders als eine schöne Blume auf der Wiese, die man sieht und geniessen kann. Sicher tauchen Gedanken oft auf wie Blumen auf der Wiese und sind einfach da. Aber selten kommen die Gedanken in ihrer finalen Version, selten kommen sie alleine. Meistens muss ich einen Gedanken erst „zu Ende denken“, muss die ihn begleitenden Gedanken zulassen bevor ich für mich seinen Kern herausgeschält habe. Bevor ich für mich weiß, was der mir wichtige und für mich wahre Teil des Gedankens ist. Und dieses Herausschälen, dieses Denken, das braucht. Das braucht und es braucht Worte und Bilder. Worte und Bilder, in denen ich die Gedanken miteinander tanzen lasse, sie miteinander ringen lasse, sie den Kerngedanken wählen lasse, sie diesen Kerngedanken feiern lasse. Und während ich Worte einfach aufschreiben kann, muss ich Bilder umschreiben – will ich sie über Worte transportieren. Und damit braucht Denken nicht nur Zeit, Worte und Bilder, sondern auch Platz. Hier im blog. Das ist so, ich will es nicht ändern und bin zufrieden damit einzusehen:

Denken braucht.

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