Frühling – kann ich den nächsten nehmen?

Written by Tamme on Februar 17, 2021 in Gedanken and Jahreszeiten and Leben and Realität and Zeit with no comments.

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Momentan schaltet die Natur gerade voll auf : die Vögel fangen vermehrt an, morgens zu singen. die Frühblüher, die ohnehin schon vor einigen Wochen auszutreiben begannen, treiben weiter aus. Die Pferde bekommen ihr Sommerfell. Ja, eindeutig: in der Natur stehen alle Zeichen auf Frühling.

Irgendwie bin ich nur noch nicht im Frühling. So mental gedacht.

Ja klar, irgendwie bin ich immer in Aufbruchstimmung. Aber eben noch nicht in Frühlingsstimmung. In dieser Stimmung, die sich zu Beginn jeden Jahres am Ende des dunklen Winters einstellt. In dieser Stimmung, in der mein Körper von ganz allein, allein durch den Frühling, mit Glückshormonen überschüttet wird.

Ich glaube, mir ist -auch wenn Mutter Natur alle Zeichen auf Frühling stellt- das Wetter noch zu dunkel, noch zu naß. Noch zu wenig ‚fröhlich‘ (hat das Wort fröhlich eigentlich den selben Wortstamm wie Frühling? Muss ich mal nachschlagen).

Und dennoch lässt sich Mutter Natur mit ihrem Frühlings-Programm nicht aufhalten. Egal, ob ich dazu bereit bin oder nicht. Die Vögel singen morgens gutgelaunt. Ob ich mich daran freue oder nicht. Vor ein paar Tagen habe ich ja über mein Verständnis der geschrieben. Der singende Vogel, das ist ein solcher Moment bei dem ich entscheiden kann, nein: ich entscheide, ob ich in ihn eintauche oder nicht.

Randbemerkung: nein, ich KANN mich nicht entscheiden, etwas zu tun oder zu lassen. Ich ENTSCHEIDE mich in solchen Momenten. Es gibt hier nur ein entweder oder. Entweder ich esse den Gugelhupf oder ich esse ihn nicht. Etwas anderes gibt es nicht. So oder so entscheide ich mich (oder mir wird die Entscheidung abgenommen, wenn bspw. ein südamerikanischer Bartgeier den Gugelhupf im Sturzflug erbeutet). Aber es geht nicht um ein ‚sich entscheiden können‘. Ja, es gibt sicher Entscheidungen, die kann man verschieben. Da KANN man sich scheinbar entscheiden oder die Entscheidung einfach verschieben. Aber irgendwann hat man auch die verschobene Entscheidung zu treffen. Oder man trifft sie durch nicht-Entscheiden. Ob ich will oder nicht, treffe ich eine Entscheidung. Ich habe keine Wahl. Es geht nicht darum, dass ich mich entscheiden KANN.

Zurück zum Thema: Frühling und der singende Vogel. Die , in die ich entweder eintauche, auf die ich mich entweder einlasse. Oder die ich statt dessen an mir vorbeiziehen lasse. So oder so: einen zweiten solchen Moment wird es nicht geben.

Es liegt an mir, den Moment als das wertzuschätzen, was er ist: einmalig.

Oder dies eben auch nicht zu tun. Eine zweite Chance jedenfalls bekomme ich nicht. Einen zweiten Frühling wird es nicht geben; nur, weil ich nicht in Stimmung bin. Dieser Frühling wird, während ich mich in meinem Zeit-Gefäß immer weiter dem Boden entgegen bewege, unwiederbringlich an mir vorbeiziehen. Deshalb entscheide ich mich morgens immer häufiger, in den Moment des singenden Vogels einzutauchen. Auch, wenn ich diese Entscheidung manchmal ganz unbewusst fälle, weil ich gerade auf dem glatten Weg ausgerutscht bin und vor lauter Schimpfen den Vogel nicht höre… ob ich es will oder nicht: auch solche Momente gehen unwiederbringlich vorüber. Leider.

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