Dem Universum ist Dein Ärger egal

Written by Tamme on Februar 23, 2021 in Fehler and Gedanken and Gut and Persönlichkeit and Philosophie and Stoizismus with no comments.

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Nicht alles, was glänzt, ist gold. Kam mir gerade in den Kopf, als ich über die und ihre Philosophen nachdachte. Ja, ich halte durchaus viel von der Stoa und ihren . Aber ja: nicht alles, was die von sich gaben, halte ich für ‚gut und brauchbar‘. Die berühmte ‚stoische Ruhe‘ aber, -abgeleitet von einigen grundlegenden Gedanken zum Umgang mit äußeren Umständen und der eigenen Reaktion darauf-, diese ‚stoische Ruhe‘ halte ich für etwas sehr wertvolles. Manchmal wird, so scheint es mir, wird stoische Ruhe mit Gleichgültigkeit verwechselt. Die Stoiker wollten mit ihrer jedoch keineswegs auf eine Gleichgültigkeit hinaus. Eine Gleichgültigkeit etwa unseren Mitmenschen gegenüber. Oder eine Gleichgültigkeit dem gegenüber, was wir in und mit unserem Leben bewirken können. Oder gar eine Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber. Nein, die Stoiker waren genau das Gegenteil von gleichgültig.

jedoch drangen die Stoiker meines Erachtens darauf, den Dingen und nur den Dingen Macht über etwas zu verleihen, die diese auch verdient haben. Weil diese Macht in unserem Sinne genutzt wird. Weil sie also genutzt wird. Und dies in unserem Sinne.

Was ich damit meine, lässt sich mit einem weniger bekannten Zitat gut erklären:

»Gib den äußeren Umständen nicht die Macht, deinen zu provozieren, denn ihnen ist es völlig egal.«

Es sind nur kleine Teile von Euripides‘ Werk erhalten. Die obige Aussage kommt aus einem seiner Theaterstücke, ebenfalls nicht vollständig erhalten.

Mit seiner obigen Aussage weist uns Euripides zum Einen darauf hin, dass den äußeren Umständen unsere Gefühle völlig egal sind. Es ist dem Schnürsenkel, der gerade abgerissen ist, egal, ob wir uns darüber ärgern oder nicht. Es ist dem Hundehaufen egal,ob wir uns über ihn unter unserem Schuh ärgern oder nicht. Diese Dinge passieren. Egal, wie wir darauf reagieren und mit welchen Gefühlen wir darauf reagieren. Warum also sich über diese Dinge aufregen?

Und Euripides fordert uns auf, diesen Dingen, diesen äußeren Umständen, den Ereignissen, keine Macht über uns zu geben. Vor allem keine Macht über unsere Gefühle. Die äußeren Umstände sind so, wie sie sind. Unabhängig von unseren Reaktionen darauf. Mit jeder Reaktion, vor allem mit jeder negativen Reaktion, jedem Ärger, geben wir den äußeren Umständen Macht über einen kleinen Teil unseres Lebens.

Euripides spricht (nur) von Ärger, von negativen Gefühlen also. Positive Gefühle sind den Stoiker sehr wichtig. Trotz aller Rationalität ist das Herz, sind positive Emotionen etwas, was die Stoiker als essentiell für das Leben erkannt haben.

Und Euripides spricht von Dingen, von äußeren Umständen, die keine Menschen sind. Davon, dass man etwas, was kein Mensch ist, keine Macht über das eigene Leben geben soll. Und seien es auch nur die eigenen Gefühle.

Diese Punkte habe ich anfangs, als ich mehr und mehr Stoiker las, nicht verstanden. Da dachte ich, dass die Stoa Emotionen generell zu vermeiden empfiehlt. Und dass die Stoa nur dem Menschen selbst Macht über das eigene Leben zugesteht. Niemandem sonst. Keinem Gott, Universum oder sonstigem höheren Wesen. Doch das ist falsch. Die Stoa erkennt sehr wohl göttliche Macht an. Und sie erkennt sehr wohl die Kraft positiver Emotionen.

Jedoch waren die Stoiker sehr darauf bedacht, den Kern der Dinge von allem störenden Beiwerk zu befreien. Heisst hier: um bspw. die göttliche Macht und die Kraft der positiven Emotionen zu erkennen, muss man alles andere entfernen, also also unwahr identifizieren. Äußere Umstände sind keine Menschen oder Götter, warum also ihnen macht über das eigene Leben zugestehen – und sei es auch nur in Form von negativen Gefühlen?

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