Brot fürs Volks – oder notfalls Friseure

Written by Tamme on Februar 14, 2021 in Covid19 and Gedanken and Politik and Realität with no comments.

This post is also available in: English (Englisch) Français (Französisch) Español (Spanisch)

Heute nur ein kurzer – hoffentlich. Über seltsame zeitliche Zusammenhänge.

Bzw. ein Beispiel für einen sehr seltsamen zeitlichen Zusammenhang (einen sogenannten ‚sszZ‘). Beobachtet diese Woche:

Vor einigen Tagen konnte man in den Medien verstärkt an dem momentan schweren Schicksal der Friseurinnen und Friseure während der Pandemie teilhaben. Es gibt derzeit viele Branchen und Berufszweige, die eine schwere durchmachen. Dabei weiß ich ehrlich nicht, welche Menschen mir mehr leid tun: diejenigen, die bei Kurzarbeit nicht wissen, wie es in Zukunft weitergehen soll oder diejenigen, die sich in irgendwelchen Fleisch- oder Fischfabriken mit Covid anstecken. Die Friseure jedoch haben in den Medien dieser Tage eine ganz besondere Rolle gespielt.

Da wird zur besten Sendezeit auf das Video einer Friseurin verwiesen, die sich ehrlich und sehr verzweifelt mit ihrer Existenzangst an die Politiker wendet.

Beinahe parallel dazu stellt, ebenfalls offensichtlich Medienwirksam, wenigstens ein Friseurmeister fest, dass offensichtlich sowohl Profi-Fussballer als auch Politiker eine regelmäßige Haarpflege geniessen dürfen. Dies wird dann recht schnell von einigen Politikern in die permanente Diskussion um Lockdown-Lockerungen eingebaut. Ersten Andeutungen einzelner Bundesländer, die Friseure aus dem lockdown auszunehmen folgt, prompt, die bundesweite Ausnahmeregel für Friseure.

Ein seltsamer zeitlicher Zusammenhang zwischen medienwirksamen Leid, dem Neid auf die Politiker (und deren Friseurbesuche) und dem , hier: der Ausnahmeregel für Friseure. Der Zusammenhang der Ereignisse ist meines Erachtens nicht zu leugnen – auch wenn er sich nicht in der Begründung zur Ausnahme wiederfand. So, wie sich überhaupt nichts dort wiederfand. Weil es keine Begründung gab.

, ich bin ohnehin nur Laien-Virologe. Vielleicht ist es ja doch so, dass Friseurinnen kein bekommen können, Fusspflegerinnen aber schon. Oder dass Mitarbeiter in einem Gartencenter Covid-resistent sind, Baumarkt-Mitarbeiterinnen aber nicht. Vielleicht. Vielleicht ist das aber jetzt auch sarkastisch.

Zurück zu den sehr seltsamen zeitlichen Zusammenhängen. Lustig fand ich, dass parallel zu dem logischen Ablauf der Ereignisse (Leid – Neid – Brot) aus einem Bundesland eine Störung kam. In hatten die Politiker doch tatsächlich vergessen, Friseuren die Hausbesuche zu verbieten. Ja, in Bremen durften während des Lockdowns Friseure Hausbesuche machen. Luxuriöses in Bremen. Irgendwie schön, wenn auch Politiker immer mal wieder etwas vergessen. Schade nur, dass dies gerade mitten in der Kausal-Kette Leid – Neid – Brot auffiel und unmittelbar vor dem bundesweiten Dekret zu den Friseurbesuchen verboten wurde. Ja, die Politiker in Bremen haben sich noch die Mühe gemacht, die Hausbesuche für einige Tage zu verbieten bevor dann auf der Bundes-Innenminister-Konferenz beschlossen wurde, die Friseur-Salons zu öffnen.

Sei‘s drum – es gibt wirklich viele Menschen, die in dieser Zeit unter der Pandemie leiden. Doch ab und an darf sich doch mal jemand freuen. Darüber, etwas Besonderes geschafft zu haben. In dieser Woche gehört hierzu auf jeden Fall die Friseur-Innung bzw. derjenige, der sich den medialen Schachzug ausgedacht hat, der zu der Ausnahmeregelung geführt hat.

Nein, kein Sarkasmus sondern aufrichtige Anerkennung.

Kommentar verfassen