Höre auf Deine innere Stimme – immer!

Written by Tamme on Februar 27, 2021 in Demut and Freimaurerei and Gedanken and Innensicht and Persönlichkeit and Spiritualität with no comments.

Immer mal wieder lese ich in Büchern mit so etwas wie einer ‚täglichen Weishiet’ . Davon habe ich ein paar. Z.b. Bücher, die jeden tag einen kurzen philosophischen Text bereit halten. Oder auch ein Buch, welches jeden Tag eine freimaurerische Meditation, angelehnt an die Bibel enthält. Wie gesagt: nicht jeden Tag schaue ich in jedes dieser Bücher. Fehlt mir die Disziplin zu. Oder, wie ich es mir schönrede: die Zeit 😉 Sei’s drum. Diese Tage fand ich in dem Buch mit den freimaurerischen Meditationen einen tollen Absatz, in dem es um Disziplin geht. An dieser Stelle ein netter Wink des Universums. Und es ging um die innere Stimme. Diese meditation sprach mir irgendwie aus dem herzen, deshalb will ich sie hier heute zusammenfassen.

Eingeleitet wurde die Meditation mit einem Absatz vom Propheten Haggai:

Aber nun, Serubbabel, sei getrost, spricht der HERR, sei getrost, Jeschua, du Sohn Jozadaks, du Hoherpriester! Sei getrost, alles Volk im Lande, spricht der HERR, und arbeitet! Denn ich bin mit euch, spricht der HERR Zebaoth. Haggai 2:4

In der darauf folgenden Meditation geht es darum, dass eine wichtige Sache, sozusagen eine Kernkompetenz, die wir lernen sollten Disziplin ist. Nein, nicht Disziplin auch immer brav unsere täglichen Aufgaben zu machen.

Sondern einzig die Disziplin, auf unsere innere Stimme zu hören. Also nicht nur, diese innere Stimme wahrzunehmen.

Sondern die Disziplin, auf diese Stimme zu hören. Nach ihr zu handeln. Aus einem Gefühl eines tiefen Verständnisses heraus. Aus einem vertrauen heraus, das Richtige zu tun.

Diese Disziplin, unserer inneren Stimme zu vertrauen, müssen wir lernen. Weil es durchaus schwer ist, ihr zu vertrauen. Und dieses Vertrauen immer wieder in Frage gestellt wird.

Wir können nicht kontrollieren, wie unsere Aussenwelt auf uns, unsere Gedanken und unser Handeln reagiert. Mancher Mensch handelt deshalb angepasst: so, wie es von ihm erwartet wird. Oder so, wie es für ihn den leichtesten Weg darstellt. Womöglich entgegen dessen, was ihm seine innere Stimme sagt. Und dies führt, ohne dass ich jetzt einen psychologischen Exkurs starten möchte, zu Konflikten. Zu inneren Konflikten. Einerseits das, was die innere Stimme, das Bauchgefühl sagt. Andererseits, das, was man tut – weil es erwartet wird oder es der leichteste Weg ist. Und solche Konflikte sind selten gesund.

Besser man lernt, auf die innere Stimme zu hören und zu tun, was einem das Bauchgefühl rät. Diszipliniert. Immer.

Denn aus dieser Disziplin heraus erwächst ein Vertrauen. Ein Vertrauen auf die eigene innere Stimme. Und darauf, dass sie einem das Richtige sagt. Einem das Richtige rät. Dass es einfach das Richtige ist, wenn man seinem Bauchgefühl, seiner inneren Stimme folgt.

Mit diesem Vertrauen kann man sich entspannen und sich sicher sein, das Richtige getan zu haben: unser Bestes.

Vertraue Deiner inneren Stimme – diszipliniert – immer – und Du wirst das Richtige tun: Dein Bestes!

Doppelpost: Bezugspunkte von Kunst und Zeit

Written by Tamme on Februar 26, 2021 in Gedanken and Innensicht and Kuenstlerdasein and Leben and Philosophie and Stoizismus and Zeit with no comments.

Kunst hat ja immer einen Kontext. Zum Beispiel den Kontext, in dem sie der Künstler sehen will. Oder ein Kontext, in den sie durch die Fachwelt gestellt wird. Oder einen Kontext, in den sie durch materielle und optische Aspekte wie Medium, Stil etc. einzuordnen ist. Oder oder oder. Ohne Kontext geht es nicht – wenngleich es natürlich beim Betrachter oder Künstler liegt, diesen Kontext auch sehen und beachten zu wollen (oder eben nicht).

Kunst hat aber immer auch einen Bezugspunkt. Das ist meines Erachtens etwas anderes als der Kontext, in dem sie steht oder gesehen werden will bzw. soll. Und dieser Bezugspunkt ist immens wichtig.

Bezugspunkte können, zum Beispiel, profaner Natur sein: Der Wert eines Kunstwertes, wenn Kunst als Investment gesehen wird (vom Künstler, dem Betrachter, der Käuferin etc.). Die Kongruenz zu einem mehrheitlichen (Mode) oder persönlichem Schönheitsempfinden. Der Bezugspunkt der kunsthistorischen Bedeutung. Der wird zum Beispiel immer dann relevant, wenn jemand versucht, ein Kunstwerk bestimmten Kunstrichtungen und Epochen zuzuordnen. Oder der Bezugspunkt des Kunstmarktes. Also der Bezug zu oder in die Gruppe von Menschen, die sich dem Kunstmarkt zugehörig fühlen oder für sich beanspruchen, diesen zu bilden. ‚Expertinnen‘ wird hier oft als Begriff verwendet. Diese können einen sehr wichtigen Bezugspunkt für ein Kunstwerk darstellen, etwa wenn eine Künstlerin alleine auf Basis ihrer Ausbildung, ihrer Studienorte und Ausbilder von den Expertinnen als ‚gute Künstlerin‘ eingestuft und damit empfohlen wird. Eine solche ‚Bewertung’ der Künstlerin alleine stellt schon einen Bezugspunkt für alle ihre Kunstwerke dar.

Oder ganz einfach der Bezugspunkt, in den ein Kunstwerk physisch/visuell gestellt wird: der Raum, die Wand, der Ort. Jeder Bezugspunkt hat Einfluß auf die Wirkung und Bedeutung eines Kunstwerkes. Jeder Bezugspunkt bestimmt den Zusammenhang zwischen Kunstwerk und Außenwelt. Zwischen Kunstwerk und Betrachterin. Zwischen Kunstwerk und Interaktionspartner.

Mir ist dazu kurz die Theorie von Charles Sander Peirce in den Sinn gekommen, der einem Zeichen oder Kunstwerk immer einen ikonischen, indexalischen oder symbolischen Zusammenhang mit seiner Betrachterin zuschreibt.

Der Bezugspunkt, an den ich denke, ist jedoch noch etwas anderes. Ein Bezugspunkt kann sich auf Inhalts- oder Bedeutungsebene bewegen, kann aber, wie im Beispiel des Raumes, auch gegenständlich sein. Schon ein anderer Rahmen, ein anderer Ort, eine andere Hängung kann die Wirkung und damit die Bedeutung eines Bildes ändern. Manchmal sogar grundlegend. Bezugspunkte bestimmen immer auch die Wirkung und Bedeutung, die Botschaft eines Kunstwerkes (wenn es eine Botschaft haben soll).

Darum sind Bezugspunkte so immens wichtig, wenn es um die Verbreitung (Vermarktung) und Akzeptanz von Kunst geht. Platt ausgedrückt: Möchte man, dass die eigene Kunst vielen Menschen gefällt, muss man sie ansehnlich präsentieren. Oder ihr eine tiefsinnige Bedeutung geben, vielleicht sogar eine fundamentale Botschaft. Oder man muss ihr eine gewisse Bekanntheit der Künstlerin mitgeben. Oder alles zusammen. Man muss, schlichtweg, das Kunstwerk durch Bezugspunkte verändern. Ja, ich denke, dass schon eine durch die Künstlerin ausgesuchte Präsentation die Wirkung des Kunstwerkes auf den Betrachter verändert. Das Kunstwerk verändert – sofern die Wirkung das für das Kunstwerk entscheidende Kriterium ist.

Darum versuche ich, wo immer möglich, meinen Bildern so wenig Bezugspunkte wie möglich oder so neutrale Bezugspunkte wie möglich zu geben. Meine Bilder sollen, vielleicht hast Du meinen post zu meinem ‚warum gelesen, die Betrachterin zu etwas ganz Bestimmten inspirieren. Etwas, was ich nicht vorhersehen kann und steuern will. Sondern etwas, dessen Art und Weise ganz alleine durch die Betrachterin bestimmt werden soll. Durch ihr wahres sein, ihr wahres ich. Nur der Betrachter bzw. genauer gesagt: nur die Innenwelt des Betrachters sollen bestimmen, wie die Inspiration ausformuliert ist. Ja, ich möchte, vereinfacht gesagt, zu mehr Spiritualität inspirieren. Aber wie diese Spiritualität, wie dieses mehr, wie der Weg dahin aussieht – das kann einzig und allein durch die Innenwelt des Betrachters bestimmt werden. Diese Innenwelt ist der einzig entscheidende Bezugspunkt. Alle anderen Bezugspunkte lenken, womöglich, von diesem einen Bezugspunkt ab.

Deshalb also versuche ich, meinen Bilder wenig Bezugspunkte mitzugeben.

Keine Videoberichte, wie das Bild entstanden ist. Keine Geschichten, was alles in mir vorgegangen ist, als ich das Bild gemacht habe. Schon gar keine ausformulierte Botschaft, die ich mit dem Bild transportieren möchte.

Nur meine Versicherung, dass es aus einem inneren Impuls heraus entstanden ist von dem ich denke, dass er Dich, die Betrachterin dazu inspirieren könnte, Deine Spiritualität mehr noch als heute zuzulassen. Dies ist der einzige Bezugspunkt, den ich wirklich als gewollt betrachte. Alles andere ist ungewollt oder unvermeidbar.

Ein Bezugspunkt, gegen den weder die Betrachterin, noch ich als Künstler mich wehren kann ist die Zeit. Ob ich das Kunstwerk in einem kunsthistorischen oder epochalen oder aktuellen Zusammenhang sehe, das kann ich bestimmen. Diese zeitlichen Bezugspunkte sind nicht bindend.

Der Punkt in der Zeit, an dem sich die Betrachterin beim Betrachten des Bildes befindet, kann jedoch nicht verändert werden. Was der Betrachter in seinem bisherigen Leben erlebt hat, ob er den Moment in dem er das Bild sieht, festhält und zu einem seiner Momente macht oder ob er in dem Gefäß der Zeit an diesem Moment vorbeifällt, kann ich nicht beeinflussen.

Auch meinen ganz persönlichen Zeitort kann ich nur bedingt beeinflussen. Mit einem Zeitort möchte ich den aktuellen Moment, das Hier und Jetzt, MEIN Hier und Jetzt bezeichnen (oder eben DEIN Hier und Jetzt). Alle Momente, an denen ich mich in meinem bisherigen Leben vorbeibewegt habe oder in die ich eingetaucht bin, bestimmen meinen persönlichen Zeitort. Über meine Erfahrungen, mein Wissen, meine Erlebnisse, meine Persönlichkeit. Und dieser Zeitort, mein Zeitort bestimmt auch meine inneren Impulse, meine Inspirationen. Wenn ich ganz in einen Moment eingetaucht bin, ihn achtsam und bewusst wahrnehme, werden die Inspirationen andere sein, als wenn ich gerade an einer Vielzahl an Momenten vorbeifalle, weil ich mich gerade vom Alltag und seinen externen Faktoren lenken lasse.

Deshalb ist mein persönlicher Zeitort so wichtig für meine Bilder: er bestimmt den Impuls, der zu dem Bild geführt hat. Er definiert die Ursache des Bildes. So wie Dein persönlicher Zeitort die Wirkung des Bildes auf Dich bestimmt. Mein persönlicher Bezugspunkt ist somit für mich die einzige, wirklich relevante information zu einem Bild.

Vor einiger Zeit habe ich deshalb beschlossen, meinen Bildern (zumindest denen, die in der Gallerie gezeigt werden) als einzige wirklich relevante und wichtige Information meinen persönlichen Zeitort mitgebe.

Und jeder persönliche Zeitort hat, wie jeder Punkt auf der Welt, eindeutige Koordinaten. Nein, ich weiß nicht, wie weit ich mich noch durch die Zeit bewegen darf. Aber ich weiß, wie lange ich dies schon tue, an wie vielen Momenten ich mich schon vorbeibewegt habe oder eingetaucht bin. Und diese Koordinaten, diese Menge an Momenten kann ich sehr wohl in irdischen, genormte Einheiten umwandeln. Bspw. in die Einheit des ‚Gemeinjahres‘. Ein ‚Gemeinjahr‘ besteht aus 365 Tagen a 24h a 60 Minuten a 60 Sekunden. Die Koordinaten meines persönlichen Zeitortes kann ich objektiv beschreiben, indem ich sie in Relation zum Gemeinjahr ausdrücke.

4937,83%.

Das ist bzw. war mein zum Beispiel der persönliche Zeitort, an dem ich dieses blog schreibe. ‚4937,83%‘ beschreibt sehr präzise einen der Momente in meinem Leben. Wesentlich präziser als dies etwa das Datum könnte. Denn das Datum mag eine von allen verständliche Zeitangabe sein. Sie ist jedoch, da sie für alle verständlich und nachvollziehbar sein soll, bereinigt. Klinisch rein sogar. Datum und Uhrzeit beinhalten keinerlei Bezug zum persönlichen Zeitort des Einzelnen. Sie sind neutrale, kalte Fakten. Anders als mein persönlicher Zeitort, der nichts anderes ist als eine persönliche Empfindung der Zeit. Darum also haben alle mir wichtigen Bilder keinen Namen, sondern nur die Koordinaten meines persönlichen Zeitortes. Denn diese sagen so viel mehr über das Bild und den dahinter stehenden Impuls aus, als dies Worte jemals könnten.

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Erkenne Dich selbst

Written by Tamme on Februar 25, 2021 in Demut and Freimaurerei and Gedanken and Persönlichkeit and Philosophie and Spiritualität with no comments.

Erkenne Dich selbst!‘ – ein Ausspruch, den sicher jeder kennt. Er soll in der Eingangshalle des Apollontempels in Delphi eingraviert gewesen sein. Oft wird er verwendet, wenn es um Themen wie persönlichkeitsentwicklung oder Menschwerdung geht. ‚Erkenne Dich selbst‘ als Grundlage, als Grundvoraussetzung für jegliche persönliche Entwicklung. Du musst Dich selbst erkannt haben, bevor Du Dich entwickeln kannst.

Auch bei uns Freimaurern steht das ‚Erkenne Dich selbst‘ am Anfang jeder freimaurerischen Reise, direkt im ersten Grad der Johannisloge. Und ja, es ist notwendig, sich zu erkennen, sich zu kennen, zu wissen, wo man im Leben steht, will man sich entwickeln, will man zu dem werden, der man in Wirklichkeit ist.

Als Schlussfolgerung daraus wird oft bei profanen Persönlichkeitstrainings, -programmen oder -coachings geraten, seine Stärken und Schwächen zu analysieren, um dann an diesen zu arbeiten. Ganz so, als ginge es beim ‚Erkenne Dich selbst‘ um unsere Stärken und Schwächen. Oder gar darum, irgendwelche Fähigkeiten zu erlernen, sich irgendwelches Wissen anzueignen.

Weit gefehlt.

Wem der Ausspruch zuzuschreiben ist, kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Einige schreiben diesen Spruch den ‚sieben Weisen‘ zu, andere Apollon, dem Gott des Lichtes, der Heilung und Weisheit zu.

Seine ursprüngliche Bedeutung jedoch, die ist sehr wohl bekannt. Jedoch, leider, nur wenigen Menschen. Bei Plutarch findet man sie:

‚Erkenne Dich selbst‘ war die Begrüßung Apollons, des Gottes, an den Eintretenden. Mit dem ‚Erkenne Doch selbst‘ hat Apollon den in den Tempel kommenden Menschen begrüßt.

Und ihn aufgefordert, sich zu erkennen und anzunehmen als das, was er ist. An dieser Stelle, im Eingang zum Tempel Apollons war dies zu allererst eine Tatsache. Und dies war vielleicht sogar die einzige Tatsache, die es hier, an dieser Stelle zu erkennen galt:

Der Gegensatz zum Gott Apollon. Hier der Eintretende, der irdische Mensch, dort der Gott in seinem Tempel. Hier der sterbliche Mensch, dort der unsterbliche Gott.

Durch das ‚Erkenne Dich selbst‘ sollte der eintretende Mensch erkennen, dass er ein Sterblicher ist.

Und damit verbunden sollte sich der Mensch bewusst werden, dass er allen irdischen Zyklen von Leben und Sterben, von Werden und Vergehen unterworfen ist.

Dass eines seiner Charakteristika des Menschen seine Vergänglichkeit, seine Sterblichkeit ist.

Unsere Vergänglichkeit, die Tatsache also, dass wir geboren wurden und sterben werden, unsere Zeit hier Erden endlich ist, dies hat der Mensch, dies haben wir durch das ‚Erkenne Dich selbst’ zu erkennen.

Es geht nicht um Stärken und Schwächen. Um fehlende Fähigkeiten. Selbstmanagement-Techniken. Oder sonst irgendetwas Profanes. Sondern es geht, einzig und allein, um eine sehr tiefgreifende Demut.

Die Demut, unsere Sterblichkeit zu erkennen. Mehr aber noch um die Demut, nicht primär auf uns (unsere Sterblichkeit) zu schauen, sondern auf die andere Seite. Auf die göttliche Seite.

Im Eingang des Tempel des Apollon werden wir ja genau auf diesen Gegensatz hingewiesen: Hier der unsterbliche, allmächtige Gott – dort der sterbliche Mensch, wir.

‚Erkenne Dich selbst‘ – erkenne, dass Du der sterbliche Mensch bist und nicht der unsterbliche Gott. Das ist eine, wie ich finde sehr tiefgreifende Demut, aus der heraus alles Tun und Handeln im Hier und Jetzt eine andere Bedeutung und Qualität bekommt.

Und ja, natürlich, lässt sich aus dieser Demut heraus auch der Sinn und Zweck aller anderer, oft vom Ausspruch ‚Erkenne Dich selbst‘ abgeleiteter Maßnahmen begründen. Nachrangig.

Mein Warum

Written by Tamme on Februar 24, 2021 in Demut and Freimaurerei and Gedanken and Kuenstlerdasein and Persönlichkeit and Philosophie and Spiritualität with no comments.

Heute will ich es noch etwas persönlicher, noch etwas intimer werden lassen als sonst hier im blog. Heute will ich Dir von etwas mir sehr Wichtigem schreiben: dem ‚Warum‘. Dem ‚Warum‘ meines Handelns. Und ich bin ehrlich: ich tue mich gerade gar nicht leicht mit diesem blog. So persönlich und nahe ist das Thema. Egal, einfach anfangen, dann sehen wir schon, wo wir hinkommen…

Generell bin ich der festen Überzeugung, dass mich die Entwicklung anderer Menschen nichts angeht. Das ist so ein wichtiges Freimaurer-Ding: Der raue Stein (die Persönlichkeit) des Bruders ist sein Stein, an dem hat nur er zu arbeiten. Ich habe meinen eigenen rauen Stein und meine Aufgabe ist es, an diesem Stein zu arbeiten und ihn immer weiter zu formen. Ob andere Menschen an sich als Mensch arbeiten oder nicht, ist also komplett ihre Sache.

Wenn mich jedoch jemand fragen würde, was ich für das Wichtigste halten würde, wenn man an sich als Mensch arbeiten will, dann würde ich sagen: suche nach dem ‚Warum‘. Deinem echten ‚Warum‘.

Mit dem ‚echten Warum‘ meine ich Deine ganz persönliche Triebfeder hinter Deinem Handeln. Nein, nicht die (materielle) Motivation, ein Ziel zu erreichen. Sich ein neues Auto leisten können, viel Reisen können, ein großes Haus meine ich nicht, wenn ich vom ‚echten Warum‘ schreibe. Sondern Deine ganz persönliche Triebfeder für Dein handeln. Warum macht Dir Dein Job als Buchhalterin Spaß? Warum willst Du im Marketing arbeiten? Warum willst Du Feuerwehrmann werden ? 😉 Wenn man sich diese Frage nach dem Warum stellt und das Materielle herausfiltert (das Gehalt etc.), dann kommt man auf das ‚echte Warum‘.

Als ich mich das erste mal gefragt habe, warum ich denn Künstler bin bzw.. warum ich denn Künstler sein will, kam ich darauf, dass ich die Welt ein bisschen besser machen will. Aha, wieder so ein Welt-Verbesserungs-Ding. Mit dieser Antwort, diesem ‚Warum‘ habe ich mich dann einige Zeit zufrieden gegeben. Bis ich festgestellt habe, dass dies nicht mein ‚echtes Warum‘ sein kann. ‚Die Welt verbessern‘ ist einfach viel zu plakativ, viel zu oberflächlich, um der tatsächliche Grund für mein Handeln zu sein. Also habe ich irgendwann weiter gefragt: Warum? Warum will ich die Welt verbessern? Gehen mich doch die anderen Menschen eigentlich nichts an… Ist das vielleicht nur so eine Ego-Sache? Und wenn ich die Welt verbessern will: was heisst das eigentlich? Wann ist die Welt eine Bessere? Was ist eine bessere Welt für mich?

Mir hat dieses Weiterfragen nach dem ‚Warum‘ die Augen geöffnet und mir klargemacht, dass ich gar nicht die Welt als Ganzes verbessern will.

Sondern dass ich deshalb Künstler geworden bin, weil ich mit meinen Bildern andere Menschen inspirieren will. Zu etwas ganz Bestimmten. Ich glaube, dass manches Problem auf der Welt, manches der ‚Traumata der Gesellschaft‘ gelöst wäre, wenn sich mehr Menschen ihre eigene Spiritualität erlauben würden. Wenn sich mehr Menschen erlauben würden, sich einzugestehen, dass es so etwas wie ein Höheres gibt. Sich erlauben würden, ihrem Ursprung und ihrem Sinn nachzugehen. Sich erlauben würden, ihre Spiritualität, ihre ganz eigene Spiritualität zu suchen und zu entwickeln. Dann, davon bin ich fest überzeugt, dann würde diese Welt von ganz alleine eine Bessere werden. Und genau deshalb möchte ich andere Menschen inspirieren, ihre eigene Spiritualität zu suchen und zu entwickeln. Zu Wachsen.

Natürlich habe ich, als ich dies für mich erkannt habe, noch ein ganz wichtiges ‚warum‘ angehängt: warum möchte ich eigentlich die Probleme auf der Welt, die Traumata unserer Gesellschaft lösen? Warum interessieren mich die Probleme andere Menschen, speziell die Probleme der nächsten Generationen? Ist mein obiges ‚warum‘ überhaupt valide oder ist das so eine Sache des Egos?

Auch auf diese Frage nach dem Warum habe ich für mich eine Antwort gefunden, die ich Dir nicht vorenthalten möchte. Allerdings möchte ich sie mit einer Anleihe bei der Freimaurerei erklären.

Freimaurerei, zumindest die von der United Grand Lodge of England (UGLE) anerkannte, beginnt in der sogenannten blauen loge, der Johannisloge. Diese Johannisloge ist in drei Grade unterteilt. Im wesentlichen geht es in dieser blauen Loge um Moral und Ethik. Um den irdischen Teil unseres Mensch-Seins. Viele Brüder stellen für sich fest, dass ihnen dieser Teil, dieser Teil der Arbeit an sich als Mensch ausreicht. Viele Brüder jedoch stellen für sich fest, dass neben diesem irdischen Teil noch etwas fehlt: der immaterielle Teil. Der Teil, den man manchmal als Seele, manchmal als göttlichen Funken in uns beschreibt. Und um diesen Teil, die Entwicklung dieses Teils geht es in vielen sogenannten Hochgrad-Systemen der Freimaurerei. Dort wird den irdischen Aspekten der Johannisloge (Moral und Ethik) noch ein weiterer, der spirituell-/mystische Aspekt unseres Ursprunges und Sinnes hinzugefügt. Die Fragestellung, was von uns bleibt, wenn irgendwann Körper und Gehirn (Gedanken, Emotionen) zerfallen, ist eine wichtige Frage in den Hochgraden. Sie läuft, im Grunde, auf die Frage hinaus: wer oder was sind wir wirklich?

Wenn man an ein ‚Leben nach dem Tod‘ glaubt, also daran glaubt, dass es für uns nach dem Tod weitergeht, muss man sich die folgende Frage stellen:

Wenn ich gestorben bin und mein Körper (inklusive Gehirn, Gedanken und Gefühlen) zerfällt, was bleibt dann? Was geht dann weiter? Was existiert über den Tod hinaus? Das, dieses Etwas, das da über den Tod hinaus existiert, das muss dann doch wohl ich sein, oder? Also mein wahres Ich. Auch, wenn wir im Tod eine Wandlung machen, sind dennoch WIR es, die da über den Tod hinaus weitergehen. Es ist nicht jemand anderes, der da unseren Weg weitergeht. Sondern wir sind es. Somit sind wir, nein: können wir nicht nur unser Körper und Geist sein. Sondern wir sind, unter der Prämisse, dass es nach dem Tod weitergeht, tatsächlich noch etwas anderes. Etwas, was hinter Körper, Verstand und Gefühlen liegt. Unser wahres Ich.

Und auch dieser Teil, unser wahres Ich, bedarf der Entwicklung – möchte man an sich als Mensch arbeiten und wachsen. Darum geht es in den meisten Hochgradsystemen der Freimaurerei – wenngleich sich dies mancher Bruder nicht eingestehen mag. Auch Freimaurer sind an dieser Stelle auch nur Menschen. und auch viele Freimaurer gestehen sich selbst im post-Aufklärerischen Zeitalter keine eigene Spiritualität zu bzw.. machen es sich leicht, indem sie die Philosophie zu einer Art Ersatzreligion erklären. Womit ich aber keinen dieser Brüder verteilen möchte, auch wenn ich es hier reichlich hart ausdrücke. ich liebe und schätze jeden dieser Brüder – egal, was er denkt oder glaubt.

Mein ‚Warum‘, mein ‚echtes Warum‘ handelt von dieser Sache, um die es in den hochgraden geht: von meinem wahren Ich. Ich glaube, ohne dass ich Dir jetzt alles schreibe, dass wir, Du und ich, miteinander verbunden sind. Dass der göttliche Funke, der jedem von uns innewohnt, diese Verbindung zwischen uns darstellt. Und in dieser spirituellen Verbundenheit mit Dir und allen anderen Menschen liegt der Grund verborgen, warum ich andere Menschen dazu inspirieren möchte, ihre Spiritualität zu entdecken und zu entwickeln. Und auch, warum ich glaube, dass die Welt dadurch eine bessere würde.

Soweit also zum Seelen-Striptease und zu meinem ‚Warum‘, meinem ‚echten Warum‘ 😉

Dem Universum ist Dein Ärger egal

Written by Tamme on Februar 23, 2021 in Fehler and Gedanken and Gut and Persönlichkeit and Philosophie and Stoizismus with no comments.

Nicht alles, was glänzt, ist gold. Kam mir gerade in den Kopf, als ich über die Stoa und ihre Philosophen nachdachte. Ja, ich halte durchaus viel von der Stoa und ihren Gedanken. Aber ja: nicht alles, was die Stoiker von sich gaben, halte ich für ‚gut und brauchbar‘. Die berühmte ‚stoische Ruhe‘ aber, -abgeleitet von einigen grundlegenden Gedanken zum Umgang mit äußeren Umständen und der eigenen Reaktion darauf-, diese ‚stoische Ruhe‘ halte ich für etwas sehr wertvolles. Manchmal wird, so scheint es mir, wird stoische Ruhe mit Gleichgültigkeit verwechselt. Die Stoiker wollten mit ihrer Philosophie jedoch keineswegs auf eine Gleichgültigkeit hinaus. Eine Gleichgültigkeit etwa unseren Mitmenschen gegenüber. Oder eine Gleichgültigkeit dem gegenüber, was wir in und mit unserem Leben bewirken können. Oder gar eine Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber. Nein, die Stoiker waren genau das Gegenteil von gleichgültig.

jedoch drangen die Stoiker meines Erachtens darauf, den Dingen und nur den Dingen Macht über etwas zu verleihen, die diese auch verdient haben. Weil diese Macht in unserem Sinne genutzt wird. Weil sie also genutzt wird. Und dies in unserem Sinne.

Was ich damit meine, lässt sich mit einem weniger bekannten Zitat gut erklären:

»Gib den äußeren Umständen nicht die Macht, deinen Ärger zu provozieren, denn ihnen ist es völlig egal.« Euripides

Es sind nur kleine Teile von Euripides‘ Werk erhalten. Die obige Aussage kommt aus einem seiner Theaterstücke, ebenfalls nicht vollständig erhalten.

Mit seiner obigen Aussage weist uns Euripides zum Einen darauf hin, dass den äußeren Umständen unsere Gefühle völlig egal sind. Es ist dem Schnürsenkel, der gerade abgerissen ist, egal, ob wir uns darüber ärgern oder nicht. Es ist dem Hundehaufen egal,ob wir uns über ihn unter unserem Schuh ärgern oder nicht. Diese Dinge passieren. Egal, wie wir darauf reagieren und mit welchen Gefühlen wir darauf reagieren. Warum also sich über diese Dinge aufregen?

Und Euripides fordert uns auf, diesen Dingen, diesen äußeren Umständen, den Ereignissen, keine Macht über uns zu geben. Vor allem keine Macht über unsere Gefühle. Die äußeren Umstände sind so, wie sie sind. Unabhängig von unseren Reaktionen darauf. Mit jeder Reaktion, vor allem mit jeder negativen Reaktion, jedem Ärger, geben wir den äußeren Umständen Macht über einen kleinen Teil unseres Lebens.

Euripides spricht (nur) von Ärger, von negativen Gefühlen also. Positive Gefühle sind den Stoiker sehr wichtig. Trotz aller Rationalität ist das Herz, sind positive Emotionen etwas, was die Stoiker als essentiell für das Leben erkannt haben.

Und Euripides spricht von Dingen, von äußeren Umständen, die keine Menschen sind. Davon, dass man etwas, was kein Mensch ist, keine Macht über das eigene Leben geben soll. Und seien es auch nur die eigenen Gefühle.

Diese Punkte habe ich anfangs, als ich mehr und mehr Stoiker las, nicht verstanden. Da dachte ich, dass die Stoa Emotionen generell zu vermeiden empfiehlt. Und dass die Stoa nur dem Menschen selbst Macht über das eigene Leben zugesteht. Niemandem sonst. Keinem Gott, Universum oder sonstigem höheren Wesen. Doch das ist falsch. Die Stoa erkennt sehr wohl göttliche Macht an. Und sie erkennt sehr wohl die Kraft positiver Emotionen.

Jedoch waren die Stoiker sehr darauf bedacht, den Kern der Dinge von allem störenden Beiwerk zu befreien. Heisst hier: um bspw. die göttliche Macht und die Kraft der positiven Emotionen zu erkennen, muss man alles andere entfernen, also also unwahr identifizieren. Äußere Umstände sind keine Menschen oder Götter, warum also ihnen macht über das eigene Leben zugestehen – und sei es auch nur in Form von negativen Gefühlen?

Die Welt ein bisschen besser, positiver und weiser gemacht haben

Written by Tamme on Februar 21, 2021 in Demut and Freimaurerei and Gedanken and Leben and Persönlichkeit and Realität with no comments.

Etwas, was ein Freimaurer hofft, am Ende seines Lebens erreicht zu haben ist, die Welt ein wenig besser, positiver und weiser gemacht zu haben. Zumindest würde ich dies aus den Ansprüchen, die an einen Freimaurer gelegt werden ableiten.

Nein, dieser Anspruch wird nirgendwo in dieser Form formuliert. Schon gar nicht wortwörtlich. Sondern er lässt sich, meines Erachtens, aus den Ritualen, Symbolen und Dokumenten (wir nennen dies Akten) ableiten.

Doch wie macht man das? Wie macht man die Welt ein kleines bisschen besser und wird ein besserer Mensch? Das ist eine Frage, die, meine persönliche Meinung, jeden Freimaurer sein Leben lang begleitet. Jede Freimaurerin übrigens auch.

In der Freimaurerei findet man keine ‚Seminare zur Menschwerdung‘ oder ‚Anleitungen zum Altruismus‘. Oder irgendwelche anderen, ausgearbeiteten und inhaltlich starren Anleitungen. Sondern in der Freimaurerei findet jeder genau das, was er im Moment braucht. Genau das, wofür er gerade bereit ist. Das ist das besondere an der Arbeit mit Ritualen und Symbolen: Beides fügt sich in den aktuellen, ganz persönlichen Kontext jedes Einzelnen ein.

Und mit eben diesem persönlichen Lehrwerk, den individuell wirkenden Symbolen und Ritualen, ist es an jedem Freimaurer, an sich zu arbeiten. Und an der Welt.

Für den einen kann dies bedeuten, sich ganz auf sich zu konzentrieren. Und in der Welt über sein eigenes Vorbild zu wirken. Oder sich auf seine Familie, seine Freunde zu konzentrieren und dort der Mensch zu sein, der er sein möchte. Für andere Freimaurerinnen mag dies bedeuten, ihre Werte in ihrem Beruf einzubringen oder sich caritativ einzubringen.

Von allen Freimaurern wird jedoch erwartet, das Erlernte, das Erfahrene weiterzugeben. An die Kinder, an unsere Freunde und Nachbarn, an die jüngeren Brüder und Schwestern. Nein, nicht als Lehrer oder gar aus der Arroganz einer erhobenen Position heraus. Das würde einer unserer wichtigsten Tugenden, der Mäßigkeit und Bescheidenheit widersprechen. Sondern, immer aus einem gewissen Maß an Demut heraus. Indem wir vorleben, was wir für uns als wichtig und richtig erkannt haben. Und indem wir eine wichtige weitere Regeln akzeptieren: der Stein des anderen Menschen, seine Persönlichkeit, ist sein Stein. Mir steht es nicht zu, an diesem zu arbeiten und ihn so formen zu wollen, wie ich ihn gerne hätte. Jeder hat an seinem eigenen Stein, seiner eigenen Persönlichkeit zu arbeiten. Daran hat er immer genug Arbeit. Das gilt auch und ganz besonders für mich (und Dich, natürlich 😉

Mich beschäftigt dieser Anspruch seit vielen, vielen Jahren täglich. Und er führt mich immer wieder an meine Grenzen. Dann, wenn ich mich beispielsweise dabei erwische, wie ich versuche, jemanden zu beeinflussen. Ihn zu verändern. Oder immer dann, wenn ich mir bewusst werde, dass ich hätte besser handeln oder reagieren können. Dass ich mir wünschte, besser gehandelt oder reagiert zu haben.

Und dennoch, trotz der Rückschläge ist er jeden Tag aufs Neue wieder da: der Wunsch, der Drang, der beste Mensch zu sein, der ich in diesem Moment sein kann und die Welt auch heute ein bisschen besser zu machen.

Das ist es, was mich antreibt, Freimaurer zu sein und zu bleiben.

Das Beste für die Welt: der Beste sein, der man sein kann

Written by Tamme on Februar 20, 2021 in Fehler and Freimaurerei and Gedanken and Spiritualität with no comments.

Die Freimaurerei fordert uns permanent auf, an uns als Mensch zu arbeiten. Es geht bei der Freimaurerei um nichts anderes, als ‚aus guten Männern bessere zu machen‘. Freimaurerei ist dabei jedoch nicht etwas in der Zukunft Verankertes. Etwas nur auf das Morgen gerichtetes. Sondern die Freimaurerei ist etwas, was sich auf den aktuellen Moment, auf das Hier und Jetzt fokussiert. In der Freimaurerei wird niemand gesagt bekommen ‚lerne dieses und jenes und Du wirst ein besserer Mensch werden‘.

Sondern Freimaurerei fordert uns auf, der beste Mensch zu sein, der wir sein können. Jetzt. Sie erwartet nicht, dass wir mehr sind. Das wir Anleihen aus der Zukunft machen. Sondern nur, dass wir der beste Mensch sind, der wir jetzt sein können. Was den eben geschilderten Entwicklungsgedanken bereits impliziert. Denn niemand wird ernsthaft von sich behaupten, perfekt zu sein. Keine Fehler zu machen.

Wir alle machen Fehler. Und manchen dieser Fehler bereuen wir im Rückblick und können, hoffentlich, aus ihm lernen. Jetzt. Für den gegenwärtigen Moment.

Schuldgefühle jedoch, etwa darüber, den Fehler gemacht zu haben, sind lähmend. Sie hindern und, im Hier und Jetzt zu leben. Im Hier und Jetzt der beste Mensch zu sein, der wir jetzt sein können. Denn sie halten uns in der nicht zu ändernden Vergangenheit fest. Vernebeln uns dadurch den klaren Blick auf den gegenwärtigen Moment.

Dies gilt auch für die Fehler Anderer:

Komplett frei sein heisst, vergeben zu können.

Sowohl sich selbst als auch Anderen.

In Psalm 25, Absatz 7 wird dies in gesteigerter Form ausgedrückt.

Indem diese ‚Hoffnung auf Vergebung‘ als Gebet an Gott gerichtet wird:

‚Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!‘

Freimaurerei erlaubt und erwartet von uns: Anderen UND uns selbst vergeben (können). Gütig, barmherzig, wohlwollend. Um im Hier und Jetzt, im gegenwärtigen Moment FREI zu sein.

Sich und anderen vergeben heisst jedoch nicht, arrogant die eigenen Fehler zu ignorieren oder Fehler als Teil der eigenen Persönlichkeit zu akzeptieren.

Mit einem solchen blinden Fleck wären wir sicher nicht der beste Mensch, der wir sein könnten.

Der tägliche Sturm – Epiktet

Written by Tamme on Februar 19, 2021 in Gedanken and Gut and Leben and Realität and Stoizismus with no comments.

Das Wichtigste im Umgang mit einem Sturm ist, ihm gewappnet zu sein. Vorbereitet zu sein. Dann verliert jeder Sturm an Kraft und Wirkung.

Manchmal kommt mir mein Alltag vor wie ein Sturm. Ein täglich neu aufkommender Sturm. Manchmal heftig, manchmal weniger heftig. Aber immer in der Lage, einige Dinge gehörig durcheinanderzubringen. Oder gar zu zerstören. Dieser Sturm kann ein langer Sturm sein, etwa wenn ein Projekt völlig aus dem Ruder läuft und bei allen Beteiligten für Stress (und manchmal Panik) sorgt. Oder er kann ein intensiver, nachhaltiger sein, etwa wenn ein ernsthaftes Problem auftaucht oder gar etwas Schlimmes passiert. Genauso kann er kurz oder harmlos sein. Er kann sich ankündigen, wenn etwa Tage vorher schon Wolken aufziehen. Oder er kann an einem strahlend schönen Tag auftauchen. Und er muss gar nicht durch einen äußeren EInfluß verursacht werden. Auch meine Eindrücke, Emotionen und gedanken können einen solchen Sturm darstellen. Auch, wenn ich jedem Moment achtsam und grund-optimistisch begegne, kann ich diese großen und kleinen Stürme in meinem Alltag nicht vermeiden.

Eiktet, ein Stoiker, hat eine ähnliche Sturm-Metapher verwendet, als er über ein ‚Vorbereitet-sein‘ nachdachte. Vorbereitet sein, um jedem Sturm gelassen entgegensehen zu können.

An anderer Stelle verwendete er das Bild des Athleten, um über eben dieses Vorbereitet-sein nachzudenken:

»So erkennt man einen wahren Athleten – es ist jemand, der sich rigoros vor falschen Eindrücken schützt. Bleibe standhaft, auch wenn du leidest, lass dich nicht von deinen Eindrücken überwältigen! Der Kampf ist hart, die Aufgabe göttlich – so erringt man Meisterschaft, Freiheit, Glück und Gelassenheit.« Epiktet, Lehrgespräche, 2.18.27–28

Gewappnet sein. Sich vor falschen Eindrücken schützen. Standhaft bleiben. Dann -um jetzt wieder auf die Sturm-Metapher zurückzukommen- zieht jeder Sturm vorüber, ohne dass er großen Schaden hinterlässt.

Jeden Tag aufs Neue nehme ich mir genau dies vor: gewappnet sein. Wir Freimaurer haben da ein nettes Bild bzw. Symbol. Wir haben eine Kelle, mit deren Hilfe wir jeden Tag aufs Neue die Risse in unserem Herzen verschliessen sollen und es so gegen die Einflüsse von außen schützen sollen. Gut, zugegeben, hier habe ich jetzt für nicht-Freimaurer zwei Symbole miteinander vermengt. Macht den Sinn aber greifbarer.

So also versuche ich jeden Tag aufs Neue gewappnet zu sein, mich vor den negativen Einflüssen zu schützen. Auch vor denen, die ich selber auslöse. Mit meinen Emotionen und Gedanken. Leider gelingt mir dies nicht immer. Wie es oft so ist mit der Arbeit an mir selbst: vieles wird vorgenommen und manches wird auch umgesetzt. Ja, und es ist wie so oft mit der Arbeit an mir selbst: alleine das Wahrnehmen dieser rauen Stelle meines Kubus ist der erste, wichtigste Schritt, sie zu glätten und meinen Kubus ein kleines Stück besser zu machen. Heute jedenfalls werde ich dem Sturm des Alltags wieder ein wenig mehr gewappnet sein. Habe ich dies doch gerade als essentiell erkannt 😉

Wahre Kunst – die Freude des Menschen an der Arbeit

Written by Tamme on Februar 18, 2021 in Demut and Kunst and Leben and Spiritualität with no comments.

Nein, ich will hier jetzt nicht davon schreiben, dass jeder Mensch Freude an seinem ’9to5’-Job haben soll und dass wahre Kunst darin besteht, das Leben zu ertragen. Wobei der dahinter liegende stoische Gedanke durchaus auch einen blogpost wert wäre. Aber: nicht heute, nicht hier.

Mit Arbeit meine ich hier etwas Anderes. Wir Freimaurer sprechen von einer ‘Arbeit an uns selbst’. Und wir sprechen von einer ‘Arbeit’, wenn wir zu rituellen Treffen zusammenkommen. Wenn wir von einer ‘Arbeit an unserem rauen Stein’ sprechen, dann meinen wir damit die Arbeit an uns als Mensch, als Persönlichkeit. Im Grunde ist Freimaurerei ja nichts anderes als das älteste Persönlichkeits-Training der Welt. Nur, dass wir unsere eigene, unperfekte Persönlichkeit als ‘rauen (unbehauenen) Stein bezeichnen und davon sprechen, dass wir an diesem Stein arbeiten wollen, bis er dem perfekten Kubus so nahe wie möglich gekommen ist. Arbeit aus freimaurerischer Sicht ist somit nichts anderes als Arbeit an der eigenen Persönlichkeit. Ich möchte sogar sagen: Menschwerdung, denn für viele Freimaurer gehört auch eine spirituelle Ebene zu unserem Wesen als Mensch und bedarf deshalb genauso einer Entwicklung wie alle anderen Ebenen der Persönlichkeit.

Nicht umsonst sprechen wir Freimaurer, wenn wir von der Freimaurerei sprechen, von der ‘königlichen Kunst’. Der Kunst, an sich als Mensch zu arbeiten.

Diese Sicht auf den Begriff der Arbeit kann man über den freimaurerischen Kontext hinaus ausdehnen.

William Morris hat einmal gesagt:

“Das, was ich unter wahrer Kunst verstehe, ist der Ausdruck der Freude des Menschen an der Arbeit… Eine höchst gütige Gabe ist dies von der Natur, da alle Menschen, ja, wie es scheint, auch alle Dinge, arbeiten müssen.”

Wir als Menschen haben einen Drang, Dinge zu erschaffen. Kreativ zu sein. Der Welt um uns herum durch unsere schöpferische Tätigkeit, durch unsere Arbeit einen Sinn zu geben. Arbeit ist -in diesem Sinn- der kreative Prozess, der schöpferische Prozess. Teil unserer menschlichen Natur. Und man kann diese Arbeit bzw. die Ergebnisse dieser Arbeit durchaus als Kunst bezeichnen – welche Form sie auch immer haben mögen.

Alles von uns Geschaffene, besser: jede von uns geschaffene gute Sache kann als Kunstwerk verstanden werden. Ein Kunstwerk, welches seinem Schöpfer eine unaussprechliche Freude bereitet welche wahrhaft göttlichen Ursprunges ist. Ja, ich glaube, dass unsere schöpferische Kraft göttlichen Ursprunges ist. Gut, Du kannst hier auch statt des Gottes-Begriffes einen anderen Begriff für ein höheres Sein einsetzen und etwa von ‚dem Universum‘ sprechen. Das macht keinen Unterschied. Unsere schöpferische Kraft, die über reine Kreativität weit hinausgeht, ist uns in die Wiege gelegt worden.

Wenn wir achtsam damit umgehen, sie bewusst wahrnehmen und sie achtsam, also bewusst einsetzen, um etwas Gutes zu schaffen, werden wir zu Schöpfern. Quasi zu Gottes Mit-Schöpfern einer perfekten Welt, welche immer unser wichtigstes Ziel sein sollte. Ähnlich dem perfekten Kubus als Sinnbild des -nie zu erreichenden-perfekten Menschen ist es diese perfekte Welt, an der wir alle, Du und ich, zu arbeiten haben. Indem wir schöpferisch, kreativ, arbeiten. Und diese Arbeit, an uns und der Welt, dieses Einsetzen der uns mitgegebenen (göttlichen) Talente, das ist die wahre Kunst im Leben.

Frühling – kann ich den nächsten nehmen?

Written by Tamme on Februar 17, 2021 in Gedanken and Jahreszeiten and Leben and Realität and Zeit with no comments.

Momentan schaltet die Natur gerade voll auf Frühling: die Vögel fangen vermehrt an, morgens zu singen. die Frühblüher, die ohnehin schon vor einigen Wochen auszutreiben begannen, treiben weiter aus. Die Pferde bekommen ihr Sommerfell. Ja, eindeutig: in der Natur stehen alle Zeichen auf Frühling.

Irgendwie bin ich nur noch nicht im Frühling. So mental gedacht.

Ja klar, irgendwie bin ich immer in Aufbruchstimmung. Aber eben noch nicht in Frühlingsstimmung. In dieser Stimmung, die sich zu Beginn jeden Jahres am Ende des dunklen Winters einstellt. In dieser Stimmung, in der mein Körper von ganz allein, allein durch den Frühling, mit Glückshormonen überschüttet wird.

Ich glaube, mir ist -auch wenn Mutter Natur alle Zeichen auf Frühling stellt- das Wetter noch zu dunkel, noch zu naß. Noch zu wenig ‚fröhlich‘ (hat das Wort fröhlich eigentlich den selben Wortstamm wie Frühling? Muss ich mal nachschlagen).

Und dennoch lässt sich Mutter Natur mit ihrem Frühlings-Programm nicht aufhalten. Egal, ob ich dazu bereit bin oder nicht. Die Vögel singen morgens gutgelaunt. Ob ich mich daran freue oder nicht. Vor ein paar Tagen habe ich ja über mein Verständnis der Zeit geschrieben. Der singende Vogel, das ist ein solcher Moment bei dem ich entscheiden kann, nein: ich entscheide, ob ich in ihn eintauche oder nicht.

Randbemerkung: nein, ich KANN mich nicht entscheiden, etwas zu tun oder zu lassen. Ich ENTSCHEIDE mich in solchen Momenten. Es gibt hier nur ein entweder oder. Entweder ich esse den Gugelhupf oder ich esse ihn nicht. Etwas anderes gibt es nicht. So oder so entscheide ich mich (oder mir wird die Entscheidung abgenommen, wenn bspw. ein südamerikanischer Bartgeier den Gugelhupf im Sturzflug erbeutet). Aber es geht nicht um ein ‚sich entscheiden können‘. Ja, es gibt sicher Entscheidungen, die kann man verschieben. Da KANN man sich scheinbar entscheiden oder die Entscheidung einfach verschieben. Aber irgendwann hat man auch die verschobene Entscheidung zu treffen. Oder man trifft sie durch nicht-Entscheiden. Ob ich will oder nicht, treffe ich eine Entscheidung. Ich habe keine Wahl. Es geht nicht darum, dass ich mich entscheiden KANN.

Zurück zum Thema: Frühling und der singende Vogel. Die Momente, in die ich entweder eintauche, auf die ich mich entweder einlasse. Oder die ich statt dessen an mir vorbeiziehen lasse. So oder so: einen zweiten solchen Moment wird es nicht geben.

Es liegt an mir, den Moment als das wertzuschätzen, was er ist: einmalig.

Oder dies eben auch nicht zu tun. Eine zweite Chance jedenfalls bekomme ich nicht. Einen zweiten Frühling wird es nicht geben; nur, weil ich nicht in Stimmung bin. Dieser Frühling wird, während ich mich in meinem Zeit-Gefäß immer weiter dem Boden entgegen bewege, unwiederbringlich an mir vorbeiziehen. Deshalb entscheide ich mich morgens immer häufiger, in den Moment des singenden Vogels einzutauchen. Auch, wenn ich diese Entscheidung manchmal ganz unbewusst fälle, weil ich gerade auf dem glatten Weg ausgerutscht bin und vor lauter Schimpfen den Vogel nicht höre… ob ich es will oder nicht: auch solche Momente gehen unwiederbringlich vorüber. Leider.

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